Freitag, 26. Februar 2016

Die Wahrheit über Jura, Teil 3: die Examensvorbereitung für das 1. Staatsexamen


Long time, no read - heute gibt es einen weiteren Beitrag aus meiner Reihe "Die Wahrheit über Jura". Die ersten beiden Artikel lest ihr hier. Heute widme ich mich dem Thema der Examensvorbereitung. Wenn man dem klassischen Studienverlauf folgt, steht man nach dem Schwerpunktexamen im 6. oder 7. Semester vor dem Ersten Staatsexamen (bzw. der Ersten Juristischen Prüfung). Darauf bereitet man sich mit einem sogenannten Repetitorium (kurz "Rep") vor, denn man muss den Stoff aller Semerster wiederholen (repetieren). Es gibt kostenlose Reps an der Uni, solche, die man bezahlen muss (die größten Anbieter: Hemmer, Alpmann, Jura Intensiv, Beck) und schließlich kann man auch alles alleine organisieren.

Für viele gibt es hier aber nur eine Frage: kommerzielles Repetitorium oder nicht? Ich kenne nur wenige, die sich im Alleingang oder nur mit dem Uni-Rep und Klausurenkurs aufs Examen vorbereitet haben. Generell sind das wohl eher die, die nicht einsehen, 1500 € oder mehr dafür auszugeben, dass jemand das Stdium nochmal vorkaut (oder schlicht das Geld nicht haben). Ich wollte mich auch erst ohne Rep vorbereiten, habe dann allerdings Angst bekommen, dass ich mich irgendwann nicht mehr alleine zum Lernen aufraffen kann. Deswegen bin ich schließlich bei einem Berliner Kleingruppen-Rep gelandet und bin immer noch glücklich mit dieser Entscheidung. 

Insgesamt dauert die Examensvorbereitung im Idealfall 1 Jahr, so war es auch bei mir. In dieser Zeit muss man sich extrem motivieren, immer am Ball zu bleiben und nichts auf die lange Bank zu schieben, weil ja "noch so viel Zeit ist". Ich kann euch sagen: die Zeit geht schneller vorbei als gedacht, deswegen habe ich mir weder in meinem Sommerurlaub, noch zu Weihnachten eine Auszeit gegönnt. Man darf die Fülle des Stoffes nicht unterschätzen, aber ich denke, wer durch das Jurastudium bis zu dem Punkt des Repetitoriums gekommen ist, weiß das :)

ein Terminkalender ist essentiell, sonst kommt selbst der organisierteste Lerner irgendwann durcheinander

Das Gute an einem Rep ist auch, dass man sich nicht selber einen Lernplan erarbeiten muss, sondern anhand der vorgegebenen Struktur zuhause mitlernen kann. Bei meinem Rep gab es immer Fälle, die vorher zuhause zu lösen waren und die dann im "Unterricht" durchgesprochen wurden. Anhand dieser Fälle wird auch das materielle Recht wiederholt (also das, was man an Theorie wissen muss, z.B. Definitionen). Außerdem gab es nach jedem Fall "Kontrollfragen", die ich mir auf Karteikarten geschrieben und sie zum Abfragen genutzt habe. Insgesamt war es ein Schuhkarton voller Karten, die ich später auch für den Verbesserungsversuch und auch fürs 2. Examen wieder genutzt habe - eine sehr lohnenswerte Arbeit also! Ich bin übrigens ein Lerntyp, der viel über Lesen in Kombination mit Zuhören aufnehmen kann. Manchmal saß ich deshalb in meinem Zimmer und habe mir meine eigenen Notizen laut vorgelesen.

Parallel dazu hatten K. und ich unsere kleine Lern- und Abfragegruppe zu zweit, in der wir uns mit den Karteikarten abgefragt haben und die Fälle für die nächste Einheit im Rep vorbereitet haben. Auch ganz wichtig: Klausuren schreiben! Jedes Rep bietet welche an, und dieses Angebot sollte man auch unbedingt wahrnehmen. Man liest es immer wieder und merkt es vielleicht im Examen selbst: entweder man hat ausreichend Klausuren geschrieben und weiß (zumindest grob), wie man die jeweilige Situation zu meistern hat. Oder, und das ist der schlechte Fall: man hat zu wenig Klausuren geschrieben und kann das umfangreiche theoretische Wissen einfach nicht in eine Fall-Lösung gießen. Da kann man noch so viel wissen, solche Klausuren werden oft nicht bestanden, weil das Gerüst so fehlerhaft ist, dass der Korrektor die Klausur einfach unbrauchbar findet. Ich habe pro Woche 3-4 Klausuren geschrieben.

Ich bin auch im Nachhinein mit meiner Art der Vorbereitung zufrieden, weil es eine Mischung aus Selbststudium und "An-die-Hand-nehmen" war. Wir waren 5 Leute in unserer Rep-Gruppe, da fiel es mir auch anfangs nciht so schwer, etwas zu sagen, auch wenn ich 2 aus der Gruppe nicht kannte. Zwar waren die Jungs aus der Truppe zum Teil eher wenig motiviert, aber K. und mich hat das bei unserem Lernen nie behindert. Man muss aber auch sagen, dass ein Kleingruppen-Rep teurer ist als eins, bei dem 40 Leute in einem Raum sitzen. Inzwischen sind bei "meinem" Rep die Preise ziemlich gestiegen, weshalb ich wohl heute dort nicht mehr hingehen würde.

Mein Fazit: wahrscheinlich hätte ich mich auch ohne kommerzielles Rep auf mein 1. Examen vorbereiten können. Aber wenn du von (fast) allen hörst, dass sie zu einem Rep gehen und außerdem weißt, dass du während der 12 Monate Vorbereitungszeit möglicherweise Motivationsprobleme bekommen könntest, machst du lieber auch eins. Da ich mir bereits Mitte des Studiums Gedanken dazu gemacht und seitdem auch Geld beiseite gelegt hatte, war ich in der glücklichen Lage, das Rep meiner Wünsche besuchen zu können.



Das war Teil 3 meiner Serie über das Jura-Studium, in Teil 4 wird es um die Klausuren im 1. Staatsexamen gehen.


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