Samstag, 28. November 2015

Die Wahrheit über Jura, Teil 1: der Ablauf des Studiums


Heute beginne ich mit meiner angekündigten Serie über Jura. Ich habe die letzten 7 Jahre (!!!) damit verbracht, mich dieser Profession zu widmen und denke, es ist deshalb Zeit, ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern. Ich werde mit dem ersten Abschnitt meines Weges beginnen, dem Studium bzw. dem Studienverlauf. Vielleicht kann ich so eine kleine Hilfestellung an diejenigen geben, die überlegen, Jura zu studieren oder Interessierten ein paar Vorurteile nehmen :)

Ich habe ja 2008 direkt nach dem Abi mit meinem Studium begonnen. Deshalb schreibe ich alles so auf, wie es bei mir abgelaufen ist. An meiner Uni wurde aber schon mehrfach die Studienordnung geändert, deswegen sind einige Abläufe heute nicht komplett mehr so, wie ich sie hier beschreibe. Da jede Uni das Studium zu einem gewissen Grad selbst organisieren kann, empfehle ich für genaue Infos einen Blick in die jeweiligen Studienordnungen für Jura! Übrigens erhebe ich mit meiner kleinen Serie hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit :)



Wie bist du auf Jura gekommen? Wie war dein Studienstart?

Ganz einfach: meine Eltern meinten, Jura könnte doch was für mich sein - und ehe ich mich versah, hatte ich mich schon beworben und Zusagen bekommen. Ich habe mich dann spontan für die Uni Potsdam entschieden, weil mir der Campus auf Anhieb gefallen hat. Außerdem liegt er sehr ruhig, was man z.B. von der Humboldt-Uni nicht behaupten kann. Als ich 2008 angefangen habe, wurde dort gerade umfangreich gebaut und mir flogen bei einer Probevorlesung fast die Ohren weg. Schon in der Einführungswoche fühlte ich mich direkt wohl in Potsdam. Die Einführungsvorlesungen waren spannend, alles war neu und aufregend! Übrigens habe ich gleich in der ersten Woche K. kennengelernt. Ich habe sie am Bahnsteig angesprochen, weil ich sie im Hörsaal gesehen hatte - seitdem waren wir das Duo Infernale :)

Im Gegensatz zu Bachelor-Studiengängen ist Jura übrigens sehr "verschult", denn es gibt feste Stundenpläne und kaum Wahlmodule (wenn, dann kann man die freiwillig belegen). Das hat allerdings den Vorteil, dass man sich darum nicht auch noch kümmern muss - denn man hat schnell genug zu tun! Einzig zu den Arbeitsgemeinschaften muss man sich anmelden, da gibt es aber für jeden einen Platz. Man muss eventuell nur damit leben, nicht seinen Wunsch-AG-Leiter zu bekommen oder eine andere Zeit, aber wenigstens muss niemand mit der Belegung ein Semester warten, weil die Plätze ausgebucht sind.


Wie ist das Studium aufgebaut?

Das unterscheidet sich von Uni zu Uni ein wenig, deswegen erzähle ich hier nur von meinen Erfahrungen aus Potsdam. Das Studium teilt sich überall in Grund- und Hauptstudium, teilweise variiert die Semesterzahl etwas. Nach dem Hauptstudium schließt sich das 1. Staatsexamen (bzw. Erste Juristische Prüfung) an. Sie besteht aus einem Teil, den die Uni stellt, dem sogenannten Schwerpunkt, und dem staatlichen Teil, den das Justizprüfungsamt des Landes stellt. Man kann sich aussuchen, was man zuerst machen will, allerdings beginnen etwa 95% aller Studenten mit dem Schwerpunkt (habe ich auch getan). 

Das hat den Grund, dass man den Schwerpunkt aus dem Angebot der Uni auswählen kann (ich habe Medienrecht genommen) und die Kurse am Ende des Hauptstudiums belegt. Die Vorbereitung auf den staatlichen Teil dauert aber 1 Jahr, in dem es keine Lehrveranstaltungen mehr gibt - und in dieser Zeit hätte man vieles aus dem Schwerpunkt wieder vergessen. Außerdem kommt man so zu einer Sonderregel für den "Freischuss", einem Zusatzversuch für die staatliche Prüfung. Diese kann man eigentlich nur 2x schreiben, dann hat man endgültig nicht bestanden und bekommt keinen Abschluss.

Der Freischuss ist ein dritter Versuch, der nicht gewertet wird, wenn man nicht besteht (als hätte man ihn nicht geschrieben). Wenn man aber besteht, darf man einen Verbesserungsversuch schreiben, was man sonst nicht kann. Den Freischuss kann man aber nur machen, wenn man erst 8. Semester eingeschrieben ist. Beim Vorziehen des Schwerpunkts bekommt man aber ein Semester dazu, also darf man ihn im 9. Semester schreiben - so habe ich es gemacht, denn man braucht die Zeit!


Das Grundstudium

Nun von Anfang an: in Potsdam musste ich im Grundstudium 1x einen Fremdsprachenkurs (in der Regel Englisch) belegen und 7 Klausuren bestehen, die sogenannten "Kleinen Scheine". Das waren für mich 1x Rechtsgeschichte, 2x Zivilrecht, 2x Strafrecht und 2x Öffentliches Recht. Dann hat man seine Zwischenprüfung bestanden, die über den Zugang zum Hauptstudium entscheiden. Ich hatte dafür 3 Semester Zeit, allerdings hat sich die Studienordnung inzwischen mehrfach geändert, inzwischen ist es meines Erachtens schon wieder anders.

Ich hatte meine Kurse und Klausuren nach 2 Semestern geschafft und schneller ging es auch nicht, weil je Semester nur eine Abschlussklausur angeboten wird. Damals musste man also 2 aus 3 Klausuren bestehen, was laut der Statistik zu meinem Jahrgang nur etwa die Häfte aller Studienanfänger geschafft haben (Wechsler und Abbrecher zählen zu der anderen Hälfte dazu). Wenn man die Zwischenprüfung übrigens nicht besteht, darf man in Deutschland nie wieder Jura studieren. das baut zu Beginn natürlich einen unheimlichen Druck auf, weil bereits dieses Damoklesschwert über einem schwebt, bevor "der Spaß" richtig los geht.


Das Hauptstudium

Im Hauptstudium lernt man dann auf die Grundlagen aufbauend vertieftes Recht und muss die sogenannten "Großen Übungen" bestehen und die "Großen Scheine" erwerben. Dabei werden jedes Semester 1 Hausarbeit und 3 Klausuren angeboten, von der mindestens eine bestanden werden muss. Wichtig war aber auch, dass die Hausarbeit und die Klausur im selben Semester bestanden wurden, sonst verfiel die jeweilige Leistung wieder (das ist heute wohl nicht mehr so). Einige meiner Kommiliton/innen haben auf die Weise bis ins 7. Semester an ihren Scheinen arbeiten müssen. Die Großen Scheine sind Voraussetzung für die Zulassung zum 1. Examen. Die Kleinen Scheine interessieren dafür übrigens niemanden mehr, sie dienen nur zum Bestehen der Zwischenprüfung.

Dann schloss sich meine Schwerpunktprüfung im Medienrecht an, für die ich zunächst 2 von 4 Klausuren in einer Übung zum Medienrecht bestehen musste. Dann hatte ich 3 Monate Zeit für eine Facharbeit, die mündlich verteidigt werden musste, anschließend wurde eine Klausur geschrieben und zum Schluss kam eine mündliche Prüfung. Die 3 Noten wurden zusammengerechnet und ergaben den ersten Teil meiner Staatsexamensnote (Gewichtung in Brandenburg 30%). Danach habe ich mich für meinen Freischuss angemeldet, dessen schriftliche Prüfungen im April 2013 stattfanden.

Damit habe ich euch erstmal den Ablauf meines Studiums bis zur Examensvorbereitung geschildert. In einem weiteren Teil werde ich noch etwas auf meine Lerntechniken in meiner Uni-Zeit eingehen, dann folgt der Teil zur Examensvorbereitung und zum Examen. Ich werde versuchen, die Teile zügig hintereinander zu veröffentlichen.


To be continued :)


Kommentare:

  1. Das finde ich interessant, dass Jura nach dem alten System verschulter ist. Im Lehramtsstudium hatte ich immer den umgekehrten Eindruck, dass nämlich das neue modularisierte Bachlor/ Master-Studium viel striktere Vorgaben hat als das alte System mit Zwischenprüfung und Erstem Staatsexamen, nach dem ich studiert hab.
    Gute Idee, was über dein Jurastudium zu schreiben! Gerne mehr davon!

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    1. Danke, der zweite Teil ist schon fast fertig und wird noch diese Woche online gehen! Ich könnte mir vorstellen, dass es beim Bachelor-/Master-System deswegen etwas strikter ist, weil man dort doch nach einer festen Zeit fertig sein muss, oder? Bei Jura sollte man sich natürlich an die Regelstudienzeit halten, wenn man es nicht tut, verliert man zwar Zeit, hat aber sonst keine weiteren Nachteile. Es wäre theoretisch auch möglich, sich 3 Jahre nach Ende des Hauptstudiums aufs Examen vorzubereiten und dann also nach 16 Semestern oder mehr erst fertig zu werden.

      Liebe Grüße!

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