Montag, 20. Juli 2015

nachgedacht: Bloggen, "Fame" & Reichweite [Teil 1]


Heute gibt es nach wirklich langer Zeit wieder einen Post aus der Rubrik "Nachgedacht". Ich möchte mich zu einem Thema äußern, was ich in den letzten Wochen immer mal wieder auf Blogs aufgeschnappt habe und zu dem es nun auch schon einige Wortmeldungen "prominenter" Modebloggerinnen gibt. Es geht um Reichweite, Follower und die Aussagekraft dieser Zahlen. Meist wird man als Blogger von Agenturen, Firmen oder anderen Bloggern nach dem Kennenlernen sofort nach seiner Anzahl von Lesern gefragt, inzwischen kommen noch diejenigen aus den Social Media-Kanälen wie Instagram und Facebook dazu.

Angestoßen wurde das Thema im Sonntagspost von Angela von The 3rd Voice, die offenbart hat, dass sie schon mal kurz davor war, sich Follower zu kaufen, weil sie im Vergleich zu neu gegründeten Blogs wesentlich weniger hatte. Da sie sich vorgenommen hatte, von ihrem Blog zu leben, traf es sie hart, als plötzlich Anfragen ausblieben. Und ich möchte sagen, dass ich ihren Blog schon zu "den Großen" zähle - wenn selbst sie das so empfindet bzw. gesagt bekommt, dann gibt mir das schon zu denken. Aufgegriffen hat das Thema auch Maria von Masha Segdwick, die für mich aktuell eine der deutschen Bloggerinnen du jour ist. Sie erlebte, wie sie im Gespräch mit einem Youtuber wegen ihrer im Vergleich zu ihm geringeren Followerzahl für ihn uninteressant wurde. 

Weitere Gedanken zu dem Thema hat Laura von The Limits of Control schon im Mai veröffentlicht, und sie kommt zu demselben Ergebnis wie Masha und Angela: ein Blog mit mehr Followern = ein vermeintlich besserer Kooperationspartner. Und auch hier war ich schon erschrocken, denn auch Lauras Blog zähle ich zu den bekannteren in der deutschen Blogosphäre. Auch Valerie von Simple et Chic hat diese Woche etwas zu dem Thema veröffentlicht. Bei ihr geht es auch um die Oberflächlichkeit in der Mode-/Bloggerwelt, ganz aktuell am Beispiel der Berlin Fashion Week.


Meinen Blog gibt es seit Januar 2008, deswegen bin ich in relativ vielen Presseverteilern und komme trotz meiner geringen Reichweite manchmal in den Genuß, zu Events eingeladen zu werden oder Produkte zugeschickt zu bekommen. Ich bin aber zum Beispiel nicht bei Facebook, weder privat, noch mit meinem Blog. Ich halte Facebook (und neuerdings auch Snapchat!) für völlig überbewertet. Das war übrigens auch schon meine Meinung zu StudiVZ, da war ich auch nicht. Schon dadurch gehen mir viele Kooperationen "verloren", die auf Facebook abzielen.

Für mich kam es aber NIE in Frage, mir Follower zu kaufen. Einfach aus dem Grund, dass es im Internet für alle frei zugängliche Tools gibt, mit denen man überprüfen kann, ob eine Website wirklich so viele Leser hat, wie sie vorgibt. Man tippt dazu z.B. bei alexa.com eine URL ein und schon wird der Traffic der Seite angezeigt. Mal abgesehen von der Peinlichkeit, die gefakte Zahlen verursacht, stelle ich als Juristin mir die Frage nach einer eventuellen Betrugsstrafbarkeit und zivilrechtlicher Haftung, wenn aufgrund falscher Zahlen (geldwerte!) Kooperationen eingegangen werden.

Ich kann übrigens auch ein passendes Erlebnis von der Fashion Week beisteuern. Es fand witzigerweise auf dem Fashionbloggercafe statt. Dort ist es das Ziel der Veranstalter, Marken und Blogger zusammenzubringen. Als ich darauf wartete, mir an einem Stand die Fingernägel lackieren zu lassen (my guilty pleasure...), bekam ich das Gespräch der PR-Dame einer anwesenden Firma und einer Bloggerin mit. Mir genügte es, Folgendes zu hören, um jegliche Aktivitäten bezüglich einer Kontaktaufnahme mit der Marke einzustellen, bevor ich sie begonnen hatte: 


Also unter 5000 Followern [wohl bei Instagram] ist ein Blogger
für uns als Marke nicht interessant. 

[Ganz wörtlich kann ich das Gespräch nicht wiedergeben, aber der Inhalt kommt sehr nahe an das heran, was ich hier getippt habe] 


BÄM. Wo auch immer die 5000 Follower herkommen sollen, ich komme auf all meinen Social Media-Kanälen zusammen nicht auf diese Zahl. Das ist auch gar nicht schlimm, denn ich habe diesen Blog begonnen, um meine Leidenschaft für Mode mit Menschen zu teilen, die genau so denken wie ich. Inzwischen haben sich meine Interessenfelder erweitert und meinen Blog habe ich auf dieser "Reise" immer mitgenommen. Natürlich hätte ich gerne mehr Kommentare und ich schaue oft auch neidisch auf Blogs, die für einen Post so viel Resonanz bekommen wie ich für 25 Blogeinträge zusammen.

Aber andererseits ist der Blog "nur" mein Hobby, nicht mein Beruf. Und ich finde, ich habe schon verdammt viel Glück gehabt, dass ich durch ihn in den Genuß von Dingen komme, die ich mir nie hätte träumen lassen. Die Besuche auf der Fashion Week und glitzernden Events mit teurem Catering, Schuhe, Kleidung, Schmuck und Kosmetik geschenkt zu bekommen - all das verdanke ich meinem Blog. Und deshalb kann ich verstehen, warum es immer mehr Blogs gibt. Die Menschen sehen, was für Möglichkeiten ein Blog eröffnet - und wollen das für sich selbst auch gerne. Mittlerweile bin ich online schon öfter über Foren gestolpert, in denen sich darüber ausgetauscht wird, welche Firmen man wie anschreiben muss, um gratis Produkte zugeschickt zu bekommen. Mir ist das auch eigentlich total egal, aber irgendwie finde ich, dem Bloggen ist die Leichtigkeit abhanden gekommen


Wer bloggt denn heute noch zum Spaß und einfach drauflos? Ich selbst habe mich in den letzten Monaten oft dabei erwischt, dass ich Artikel so gestaltet habe, wie ich glaubte, dass ihr als Leser sie irgendwie erwarten und mögen könntet. Zu einem gewissen Teil macht das natürlich jeder Blogger so, aber was ich meine, geht weit darüber hinaus. Ich habe immer gedacht: könnte ich jetzt so ein bisschen mehr Traffic auf den Blog lenken? Könnte mir das dann mehr Möglichkeiten eröffnen, was die Zusammenarbeit mit Firmen und interessanten Content angeht?

Und dann kam ein negativer Kommentar: dass ich zu viele Kooperationen mit zu unterschiedlichen, teilweise unpassenden Unternehmen machen würde. Die kleine Diskussion dazu könnt ihr unter diesem Artikel gerne nachlesen - auf jeden Fall war das für mich wie ein Weckruf, mich zurück darauf zu besinnen, weshalb ich diesen Blog gegründet habe. Ich stehe weiterhin zu den Artikeln, die in Kooperation mit Firmen zustande gekommen sind, denn ich teste nur Dinge, die mich wirklich interessieren. Alles andere wäre schon deshalb Quatsch, weil es einfach zu viel Zeit kostet. Als Nicht-Blogger mag man es nicht glauben wollen, aber das Verfassen eines durchschnittlichen Artikels dauert bei mir etwa anderthalb Stunden. Bilder müssen fotografiert und editiert werden, Texte geschrieben und das Layout des Posts perfektioniert werden. 


Was will ich nun mit diesem sehr langen Post sagen? Ich finde es schade, wie sich die (Mode-)Bloggerszene verändert hat. Wie sagt meine Omi gerne: "Früher war alles besser!" Früher kannte man sich noch, es gab nur ganz wenige Modeblogger und die hielten zusammen. Es wurde immer fleißig bei den anderen kommentiert und war ungezwungen. Man war einfach nett zueinander - wenn ich heute darüber so schreibe, komme ich mir vor, als würde ich eine Einleitung für eine Folge der Glücksbärchis verfassen. 

Mir fällt nicht mal ein gescheiter Lösungsansatz ein, ich weiß eins aber ganz sicher: ich möchte nicht in die Nähe solcher Personen gestellt werden, die andere nach ihren Zahlen beurteilen. Das sind auch die Menschen, die einem die Hand geben und sich dann im besten Fall mit einem Augenrollen umdrehen. Im schlimmsten Fall werden mit Umstehenden noch Kommentare über Gewicht, Aussehen oder sonstige vermeintliche Makel der Person ausgetauscht. Diese Spezies würde ich "Teilzeit-Kannibalen" nennen: ist man diesen Personen irgendwie nützlich ("Ach, du stehst auf der Gästeloste? Kannst du mich mitnehmen?"), wird man geduldet, ansonsten wird man gefressen. 

Und weil dieser Post nun schon sehr lang ist und ich zwar endlos weiterschreiben könnte, aber mir das lieber für eine Fortsetzung aufheben möchte, beende ich diesen Artikel mit einem Spruch, den ich ganz passend für das Thema finde:


Kommentare:

  1. Hey Sue,
    ich lese schon seit 2009, seitdem ich selbst angefangen habe zu Bloggen, deinen Blog. Auch wenn ich nicht häufig Kommentare schreibe, lese ich dennoch deinen Blog sehr gern. Ich hab die Veränderung miterlebt und auch mein Blog hat sich verändert; hab von blogspot (letsfeelfine.blogspot.com mit 22 Jahren) zu wordpress (klatschmohnst.rauss.net mit heute 27 Jahren) gewechselt und auch ich hab mich verändert. Der Name des Blgos wurde irgendwie erwachsener, die Beiträge, die Bilder, aber vor allem ich selbst. Ich finde es schön, wenn man das merkt und das gehört irgendwie für mich dazu. Ich hab beispielsweise lange überlegt, ob ich meine alten Beiträge, die rückblickend teils peinlich waren, lösche. Jedoch gehören diese Beiträge zu mir, sowie auch die heutigen. Sie zeigen den Weg meines Erwachsenwerdens. Ich lese schon sehr lange bekleidet mit Jana, bei der meine Mitbewohnerin sogar mit ihr zur Schule ging und ich da irgendwie dann selbst einen persönlichen Bezug zu habe. Masha von Mashasedgewick lese ich auch sehr lange. Aber hier - zum Thema Professionalität - haben sich beide Blogs so sehr professionalisiert, sodass ich das Interesse hieran langsam verliere. Ich lese mittlerweile lieber Blogs, die persönlicher herüberkommen und die diesen Professionalitätsgedanken nicht innehaben, da kleinere Blogs aufgrund einer Hobbymäßigkeit nicht unter solch einem Erwartungsdruck stehen. Man verdient damit kein/kaum Geld und macht dies nur für sich und nicht für eine breite Masse. Das mag ich und soll auch bei mir so erhalten bleiben. Versuch dir treu zu bleiben und dir bewusst zu machen, warum du das machst. Eigentlich - so kommt es mir jedenfalls vor - magst du deinen Blog schon gerne, würdest dir aber wünschen, da dies dein Herzenskind ist, dass mehr Leser das gleiche finden, wie du auch. Verständlich. Ich glaub die Leser, die du hast, sind dir auch von Beginn an treu und denken ähnlich wie du. Sie mögen - wie auch ich dies tue - diese Persönlichkeit und Hobbymäßigkeit und fühlen sich damit doch sehr verbunden (jedenfalls tue ich das). Ich könnte mir ebenfalls die Frage stellen: warum blogge ich eigentlich noch? Es liest doch eh kaum jemand. Aber darum geht es doch nicht. Es geht zuallererst um sich selbst, dies für sich zu machen. Also bleib dir treu und mach weiter so, wie du es auch jetzt tust und wenn du was ändern willst, dann tu das. Tue das aber nicht, da du denkst, du müsstest das tun, sondern nur für dich selbst.
    Liebster Gruß
    Carolin

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    1. Liebe Carolin,

      vielen vielen Dank für deinen Kommentar! Ich hatte kaum zu hoffen gewagt, dass so etwas auf diesen Post folgt, deswegen bin ich umso erfreuter, dass es doch passiert ist :) Und ich gebe dir Recht, ich mag meinen Blog sogar sehr gerne, aber es ist manchmal fast frustrierend, wenn man viel Arbeit und Zeit in seine Posts investiert und dann findet es einfach kaum Resonanz. Ich habe schon mehrfach darüber nachgedacht, wie lange ich das eigentlich noch machen kann und will. Meine Ausbildung ist ja nun fast zuende, und wenn ich arbeiten gehe, weiß ich natürlich nicht, wie viel Zeit ich dann noch haben werde. Aber da ich schon nach 2 oder 3 Tagen ohne Bloggen merke, wie mir das fehlt, kann ich mir heute (noch) nicht vorstellen, jemals damit aufzuhören. Aber das kann sich natürlich auch schnell ändern, wenn sich in meiner Lebenssituation etwas ändern sollte (z.B. die Arbeit).

      Auf jeden Fall bedanke ich mich nochmal ganz herzlich für deinen Kommentar und hoffe, dass du noch lange weiter Freude daran hast, meinen Blog zu lesen! Und ich muss zugeben: ich lese deinen Blog auch schon lange (seit du hier angefangen hast, zu kommentieren), aber ich schreibe bei dir auch selten Kommentare. Deswegen habe ich mir vorgenommen, das jetzt zu ändern!

      Liebe Grüße!

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  2. Toller Beitrag! Ich blogge auch schon seit ein paar Jahren mal regelmässig mal weniger. Aber die Szene hat sich shon ziemlich verändert ich habe aufgehört die grossen Blogger zu lesen weil alles so mega professionel geworden ist halt nur noch ums Business geht.
    Ich habe auch einen Youtube Kanal auf schweizerdeutsch was natürlich niemals etwas grosses werden kann da einfach in der Schweiz das Publikum fehlt aber das ist mir egal ich mach es weil es mir mega spass macht und das ist doch die Hauptsache, ich schaue au keine grosses Youtuber weil auch da einfach nichts mehr real ist.
    Ich bin sehr gespannt wie sich das alles entwickeln wird ;)

    Liebe Grüsse
    Sunny von

    www.kitteea.blogspot.ch

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    1. Hi Sunny,

      danke für deinen Kommentar! Ich muss auch sagen, dass ich den Anfang des Bloggens und den Zustand heute kaum noch vergleichen kann. "Früher" habe ich einfach drauflos Fotos gemacht und Texte hingeschrieben, das würde ich heute nie machen. Man ist irgendwie ein kleiner Journalist/Redakteur geworden, bloß mit unterschiedlichem Publikum und sehr unterschiedlicher Reichweite. Mal sehen, wo das alles hinführt - und wer wie lange dabei bleiben wird!

      Viele Grüße!

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